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Stellenabbau in der Automobilindustrie nach Corona – 300.000 Arbeitnehmer verlieren Ihren Job

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Die Auswirkungen der globalen Pandemie hat viele Wirtschaftsbereiche, unter anderem die Luftfahrt und die Automobilbranche, stark beeinflusst. Die Autokrise und der Einbruch der PKW-Nachfrage waren bereits vor der Corona Krise zu spüren und führen nun zu hohen Verlusten von Arbeitsplätzen bei Autoherstellern und Autozulieferern weltweit. In Deutschland gilt die Automobilindustrie als Schlüsselbranche, rund 936.000 Menschen sind direkt oder indirekt von ihr abhängig. Nun sollen vor dem Hintergrund von Corona bis zu 300.000 Stellen abgebaut werden.

Die Folgen des Strukturwandels in der Automobilbranche zeigen nach Monaten der globalen Pandemie ihr volles Ausmaß. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet bei der PKW Nachfrage für das Jahr 2020 mit einem Minus von 17 Prozent auf knapp 66 Millionen Autos weltweit. Besonders stark werde der Rückgang in Europa mit 24 Prozent sein. Allein in Deutschland sollen Pkw-Neuzulassungen um 23 Prozent auf 2,8 Millionen Einheiten sinken, was drastische Auswirkungen für die 830.000 Arbeitnehmer der Fahrzeughersteller und Zulieferunternehmen bedeutet.

Autoindustrie steckt in einer Krise

Sowohl Daimler als auch die VW-Tochter Audi kündigten bereits im Jahr 2019 einen Stellenabbau von jeweils bis zu 10.000 Stellen in Deutschland an. Ein Großteil der Arbeitnehmer erhielten allerdings eine Beschäftigungsgarantie bis zum Jahr 2029, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließen. Auch Zulieferer wie Bosch, Mahle und Continental entließen bereits im vergangenen Jahr Mitarbeiter oder schlossen ganze Werke. Die Gründe für die geplanten Entlassungen sind Resultat des viel besprochenen Strukturwandels der Autoindustrie. Hiermit ist unter anderem die Entwicklung von Elektromotoren als Alternative zum Verbrennungsmotor gemeint, wodurch allein insgesamt 110.000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen könnten.

Corona Pandemie begünstigt weiteren Stellenabbau

Neben der anhaltenden Autokrise haben viele Hersteller und Zulieferer in den letzten Monaten zusätzlich mit einem Corona – bedingten Absatzrückgang zu kämpfen. Zwar zahlte die Bundesregierung während der Krisenmonate Kurzarbeitergeld für mehr als 200.000 Automobilmitarbeiter in den geschlossenen deutschen Werken der Hersteller und Zulieferunternehmen und unterstütze mittelständische Unternehmen mit staatlich besicherten Kfw- Krediten, doch scheinen diese Maßnahmen unzureichend. Der BMW Stellenabbau wurde im Juni 2020 bekannt gegeben und umfasst ganze 6000 Stellen. Auch der nach Bosch zweitgrößte Autozulieferer Continental will 13.000 Stellen in Deutschland “verändern”, wozu neben Umschulungen auch Streichungen und Verlagerungen von Jobs zählen.

Vor allem mittelständische Unternehmen betroffen

Der anhaltende Jobabbau und die zu erwartenden Insolvenzen werden aber vor allem die kleinen und mittelgroßen Autozulieferer treffen, die in den vergangenen Jahren große Schuldenberge angehäuft haben, um den Strukturwandel der Branche zu finanzieren. Die Tatsache, dass viele Beschäftigte sich in Kurzarbeit befinden, dürfe nicht über die schwierige Lage hinwegtäuschen, in der sich vor allem mittelständische Zulieferer befinden, erklärte Hildegard Müller, Chefin des Verbands der Automobilindustrie, in der Halbjahres – Pressekonferenz des Verbandes im Juli 2020. Autokonzerne und große Zulieferer könnenhre Produktion weniger problemlos auf Elektromobilität umstellen. Diese Möglichkeit haben kleinere Zulieferer wie beispielsweise die Gießer von Motorblöcken nicht.

“Streichen um des Streichens Willen”

Schon länger gibt es Kritik von den Arbeitnehmern und der Politik an dem Corona – bedingten Jobabbau, die Frage nach der Notwendigkeit wird lauter. Jürgen Kerner, Vorstandsmitglied bei der IG Metall betont bei einer Pressekonferenz im Juni 2020: „Ein Großteil der 300.000 ist Optimierung der Unternehmen unter dem Deckmantel Corona.“ Bereits vor der Pandemie seien die Optimierungspläne aufgrund des Strukturwandels der Branche vorhanden gewesen. Kerner warnt: „Wenn die ersten Unternehmen damit durchkommen und sich optimieren, dann wird der Druck auf die anderen, die Beschäftigung halten, immer größer werden.“ Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil habe kein Verständnis für “ein radikales Jobabbau-Programm” und bezieht sich dabei auf den Stellenabbau bei Continental, dessen Standort in Aachen “ja schwarze Zahlen geschrieben hat”

Arbeitnehmer fühlen sich allein gelassen

Als Reaktion auf die geplanten Sparmaßnahmen und Stellenabbau bei Autozulieferern fanden trotz Kontaktbeschränkungen durch Corona in den vergangenen Monaten immer wieder Demonstrationen von Mitarbeitern statt. Viele Arbeitnehmer sind verunsichert und machen Ihren Unmut über die Entscheidung der Unternehmen breit. Ashkan Saljoughi, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Chevalier, zeigt sich verständnisvoll: „Die Sorgen der Arbeitnehmer sind völlig nachvollziehbar. Dennoch ist es wichtig, zunächst Ruhe zu bewahren. Betriebsbedingte Kündigungen unterliegen strengen Auflagen und können somit kein einfaches Mittel der Arbeitgeber sein, um Massenentlassungen durchzusetzen.” Vielmehr müsse der Arbeitgeber beweisen, dass eine Kündigung sozial gerechtfertigt ist. “Eine andere Alternative der Automobilunternehmen wäre es, ihren Mitarbeitern  Aufhebungsverträge, die ein beiderseitiges Einverständnis bedürfen, anzubieten”, so Saljoughi weiter. Das wichtigste sei aber sowohl eine Kündigung als auch einen Aufhebungsvertrag immer fachgerecht von einem Anwalt prüfen zu lassen. „Nur so kann man seine Möglichkeiten und Rechte als Arbeitnehmer, zum Beispiel die Verhandlung einer Abfindung oder einer bezahlten Freistellung, voll ausschöpfen”, erklärt Saljoughi.

Autoindustrie 2020 benötigt Strukturwandel 

Der seit Langem besprochene Wandel der Automobilbranche ist jetzt dringender als je zuvor. Automobilmarktanalyst Ferdinand Dudenhöffer, von der Universität St. Gallen, meint man müsse die Nachfrage nach Automobilen in Deutschland jetzt ankurbeln – sei es mit verstärkter staatlicher Hilfe für den Ausbau der Elektromobilität oder mit neuen Geschäftsmodellen der Automobilhersteller wie etwa Auto-Abos. Solche Abo-Verträge mit relativ kurzen Laufzeiten und Rückgaberechten für Kunden, könnten die PKW-Nachfrage trotz wirtschaftlicher Risiken kurzfristig steigern, erklärt Dudenhöffer. 

Der Strukturwandel der Branche wird ohne Zweifel einen Jobabbau mit sich bringen. Effizient umgesetzt kann er aber auch die Veränderung und Neuschaffung von Jobs bedeuten.


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