Krankengeld: Was steht Ihnen bei langer Krankheit zu?

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Geprüft von Paul Krusenotto

Arbeitsrechtsexperte

Aktualisiert am:
20.10.2026
krankengeld

Das Wichtigste zum Thema „Krankengeld“

  • Krankengeld erhalten gesetzlich Versicherte, wenn Krankheit sie arbeitsunfähig macht oder sie stationär behandelt werden.

  • Nach sechs Wochen Entgeltfortzahlung zahlt in vielen Fällen die Krankenkasse. Das gilt aber nicht automatisch in jeder Konstellation.

  • Die Höhe beträgt grundsätzlich 70 % des regelmäßigen Bruttoentgelts, höchstens 90 % des Nettoentgelts; 2026 maximal 135,63 Euro pro Kalendertag vor Abzügen.

  • Bei derselben Krankheit ist der Anspruch auf längstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren begrenzt. Die sechs Wochen Entgeltfortzahlung zählen mit.

  • Eine Kündigung beendet Krankengeld nicht automatisch. Wichtig sind Versicherungsschutz, lückenlose Arbeitsunfähigkeit und rechtzeitige Reaktion.

  • Zahlt die Krankenkasse nicht oder stoppt sie Krankengeld, sollten Sie Bescheid, Frist und medizinische Unterlagen sofort prüfen lassen.

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Krankengeld sichert Ihr Einkommen, wenn Sie länger krank sind und die Entgeltfortzahlung endet. Gerade dann wird es schnell unübersichtlich: Arbeitgeber, Krankenkasse, Arbeitsagentur und manchmal auch eine Kündigung greifen ineinander. Dieser Ratgeber erklärt, was Ihnen als Arbeitnehmer:in zusteht, welche Fristen wichtig sind und wann Sie Ihre Ansprüche aktiv sichern sollten.

Unsicher wegen Krankengeld, Kündigung oder Lohnfortzahlung?

Wenn Ihre Krankenkasse nicht zahlt, Ihr Arbeitgeber Druck macht oder eine Kündigung im Raum steht, lassen Sie Ihre Situation früh prüfen.

Wann haben Sie Anspruch auf Krankengeld?

Sie haben Anspruch auf Krankengeld, wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind und eine Krankheit Sie arbeitsunfähig macht oder Sie auf Kosten der Krankenkasse stationär behandelt werden. Für Arbeitnehmer:innen wird Krankengeld praktisch meist ab der siebten Krankheitswoche wichtig, weil vorher häufig der Arbeitgeber Entgeltfortzahlung leisten muss.

Der Anspruch hängt nicht davon ab, ob Sie „besonders schwer“ krank sind. Entscheidend ist, ob Sie Ihre arbeitsvertraglich geschuldete Arbeit wegen Krankheit nicht ausüben können und die Arbeitsunfähigkeit ärztlich festgestellt ist. Bei längerer Krankheit sollten Sie darauf achten, dass Folgebescheinigungen nahtlos vorliegen.

§ 44 SGB V – Krankengeld

Versicherte haben Anspruch auf Krankengeld, wenn Krankheit sie arbeitsunfähig macht oder sie auf Kosten der Krankenkasse stationär behandelt werden.

§ 44 SGB 5 – Einzelnorm

Definition: Arbeitsunfähigkeit

Arbeitsunfähig sind Sie, wenn Sie Ihre konkrete Arbeit krankheitsbedingt nicht oder nur unter Gefahr einer Verschlechterung ausüben können. Es geht also nicht um irgendeine Tätigkeit, sondern um Ihre tatsächliche Arbeitssituation.

Was ist der Unterschied zwischen Lohnfortzahlung und Krankengeld?

Die Entgeltfortzahlung ist Lohn vom Arbeitgeber, Krankengeld ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse. Der Wechsel ist für Betroffene wichtig, weil Krankengeld niedriger ist als das normale Gehalt und andere Nachweise, Fristen und Ansprechpartner gelten.

Die folgende Übersicht ist der Kernvergleich, den viele Krankenkassen nur aus ihrer eigenen Leistungsperspektive erklären. Für Sie zählt aber vor allem: Wer zahlt, wie lange, und was passiert, wenn das Arbeitsverhältnis wackelt?

Situation

Wer zahlt?

Wie lange?

Wichtig für Sie

Erste Krankheitswochen

Arbeitgeber

bis zu 6 Wochen

Arbeitsunfähigkeit unverzüglich melden; eAU entbindet nicht von der Mitteilungspflicht

Nach Ende der Entgeltfortzahlung

Krankenkasse

bei derselben Krankheit max. 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren

Folgebescheinigungen und Kassenpost genau prüfen

Kündigung während Krankheit

je nach Zeitraum Arbeitgeber oder Krankenkasse

abhängig von Entgeltfortzahlung, Versicherung und AU

Kündigung und Krankengeld getrennt prüfen

Nach Aussteuerung

ggf. Arbeitsagentur oder Rentenversicherung

abhängig vom Einzelfall

Nahtlosigkeitsregelung und Erwerbsminderungsrente rechtzeitig klären

§ 3 EntgFG – Entgeltfortzahlung

Arbeitnehmer:innen haben bei unverschuldeter krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit Anspruch auf Entgeltfortzahlung bis zur Dauer von sechs Wochen.

§ 3 EntgFG – Einzelnorm

Wie hoch ist das Krankengeld 2026?

Das Krankengeld beträgt grundsätzlich 70 % Ihres regelmäßigen Bruttoentgelts, darf aber 90 % Ihres Nettoentgelts nicht überschreiten. Zusätzlich ist es durch die Beitragsbemessungsgrenze gedeckelt; 2026 liegt das Höchstkrankengeld bei 135,63 Euro pro Kalendertag vor Abzug Ihrer Beitragsanteile.

Vom Brutto-Krankengeld werden in der Regel noch Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung einbehalten. Deshalb ist der Betrag, der tatsächlich auf Ihrem Konto landet, niedriger als die erste Prozentrechnung vermuten lässt.

Beispiel: Frau Yilmaz

Frau Yilmaz verdient 3.600 Euro brutto und 2.350 Euro netto. 70 % vom Brutto wären 2.520 Euro, 90 % vom Netto wären 2.115 Euro. Für sie ist deshalb die 90-%-Grenze der wichtige Deckel. Die Krankenkasse zieht anschließend noch gesetzliche Beitragsanteile ab.

Wie lange bekommen Sie Krankengeld?

Bei derselben Krankheit bekommen Sie Krankengeld längstens 78 Wochen innerhalb von drei Jahren. Wichtig: Die Zeit der Entgeltfortzahlung wird in diese 78 Wochen eingerechnet, sodass die Krankenkasse häufig höchstens rund 72 Wochen tatsächlich zahlt.

Kommt während derselben Arbeitsunfähigkeit eine weitere Krankheit hinzu, verlängert das die Höchstdauer nicht automatisch. Die frühere Aussage, Krankengeld könne bei Aussicht auf Besserung einfach verlängert werden, ist deshalb zu pauschal. Nach Ablauf der Höchstdauer spricht man von Aussteuerung.

Achtung: Aussteuerung rechtzeitig vorbereiten

Warten Sie nicht bis zur letzten Zahlung. Wenn absehbar ist, dass die 78 Wochen erreicht werden, sollten Sie rechtzeitig klären, ob Arbeitslosengeld nach der Nahtlosigkeitsregelung, eine Reha oder Erwerbsminderungsrente in Betracht kommt.

§ 48 SGB V – Dauer

Für dieselbe Krankheit besteht der Anspruch auf Krankengeld längstens für 78 Wochen innerhalb von je drei Jahren, gerechnet vom Beginn der Arbeitsunfähigkeit an. Kommt während der Arbeitsunfähigkeit eine weitere Krankheit hinzu, verlängert das die Frist nicht.

§ 48 SGB 5 – Einzelnorm

Was passiert mit Krankengeld bei Kündigung?

Eine Kündigung beendet Ihren Krankengeldanspruch nicht automatisch. Entscheidend ist, ob Ihre Arbeitsunfähigkeit weiterhin ärztlich festgestellt ist, ob Ihr Versicherungsschutz fortbesteht und ob noch ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung gegen den Arbeitgeber besteht.

Arbeitsrechtlich sollten Sie zwei Fragen getrennt prüfen: Erstens, ob die Kündigung wirksam ist. Zweitens, wer während und nach der Kündigungsfrist zahlen muss. Gerade wenn die Kündigung wegen Krankheit ausgesprochen wurde, kann auch die Entgeltfortzahlung über das Ende des Arbeitsverhältnisses hinaus relevant werden.

Konstellation

Typische Frage

Ihr nächster Schritt

Kündigung während laufender Entgeltfortzahlung

Muss der Arbeitgeber weiterzahlen?

Kündigungsgrund, Frist und Entgeltfortzahlung prüfen lassen

Kündigung während Krankengeldbezug

Zahlt die Krankenkasse weiter?

AU, Mitgliedschaft und Kassenbescheid kontrollieren

Aufhebungsvertrag während Krankheit

Drohen Nachteile bei ALG oder Krankengeld?

Nichts unterschreiben, bevor Sperrzeit- und Leistungsfolgen geprüft sind

Tipp

Wenn Kündigung und Krankengeld zeitlich zusammenfallen, sammeln Sie drei Unterlagen sofort: Kündigungsschreiben, AU-Verlauf und alle Schreiben der Krankenkasse. Damit lässt sich meist schnell erkennen, wo das eigentliche Risiko liegt.

Was können Sie tun, wenn die Krankenkasse nicht zahlt?

Wenn die Krankenkasse Krankengeld ablehnt, verzögert oder stoppt, sollten Sie zuerst prüfen, ob es einen schriftlichen Bescheid gibt und welche Frist darin genannt ist. Gegen belastende Bescheide kommt regelmäßig Widerspruch in Betracht; entscheidend ist, dass Sie die Frist nicht versäumen.

Häufige Gründe sind angebliche Lücken in der Arbeitsunfähigkeitsfeststellung, offene Unterlagen, Zweifel am Fortbestehen der Arbeitsunfähigkeit oder das Erreichen der Höchstdauer. Nicht jede Begründung ist richtig. Gerade bei existenzsichernden Leistungen lohnt sich eine ruhige, belegte Reaktion.

Hinweis: eAU ersetzt nicht jede Pflicht

Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erleichtert die Übermittlung. Sie sollten Arbeitgeber und Krankenkasse dennoch aktiv informieren, wenn sich Ihre Arbeitsunfähigkeit verlängert oder Unterlagen fehlen. Ihre Mitteilungspflichten bleiben wichtig.

Was passiert nach 78 Wochen Krankengeld?

Nach der Aussteuerung endet der Krankengeldbezug für dieselbe Krankheit, aber nicht automatisch jede soziale Absicherung. Je nach Gesundheitszustand kommen Arbeitslosengeld nach der Nahtlosigkeitsregelung, Reha-Leistungen oder Erwerbsminderungsrente in Betracht.

Für Arbeitnehmer:innen ist dieser Übergang besonders sensibel: Sie sind möglicherweise weiterhin krank, aber die Krankenkasse zahlt nicht mehr. Deshalb sollten Sie frühzeitig mit der Arbeitsagentur klären, welche Unterlagen gebraucht werden, und ärztliche Einschätzungen geordnet bereithalten.

Welche Schritte sichern Ihren Anspruch?

Sie sichern Ihren Anspruch am besten, indem Sie Fristen, Bescheinigungen und Schreiben der Krankenkasse konsequent dokumentieren. Die folgende Checkliste hilft Ihnen, die wichtigsten Punkte sauber abzuarbeiten.

Checkliste: Krankengeld sichern

  • Arbeitsunfähigkeit dem Arbeitgeber unverzüglich mitteilen.

  • Folgebescheinigungen rechtzeitig ärztlich feststellen lassen.

  • Alle Schreiben der Krankenkasse mit Eingangsdatum ablegen.

  • Bei Zahlungsverzug schriftlich nachfragen und Frist setzen.

  • Bei Ablehnung prüfen, ob Widerspruch eingelegt werden muss.

  • Bei Kündigung zusätzlich die 3-Wochen-Frist für Kündigungsschutzklage im Blick behalten.

  • Vor Aufhebungsvertrag oder Eigenkündigung Leistungsfolgen prüfen lassen.

  • Spätestens einige Monate vor Aussteuerung Arbeitsagentur/Reha/Rente klären.

Wie können Sie Krankengeld schriftlich bei der Krankenkasse klären?

Wenn Zahlungen ausbleiben oder Unterlagen angeblich fehlen, hilft ein sachliches Schreiben. Es schafft Klarheit, dokumentiert Ihre Reaktion und kann eine spätere Prüfung erleichtern.

Musterschreiben: Krankengeldzahlung klären

⚖ Haftungsausschluss: Dieses Muster ist eine allgemeine Formulierungshilfe und ersetzt keine Prüfung Ihres Einzelfalls. Ob ein Widerspruch, eine Klage oder ein arbeitsrechtlicher Schritt sinnvoll ist, hängt von Ihren Unterlagen und Fristen ab.

[Ihr Name]
[Ihre Anschrift]
[Versichertennummer]

[Name der Krankenkasse]
[Anschrift der Krankenkasse]

[Ort, Datum]

Betreff: Krankengeld – Bitte um Klärung der Zahlung / des Bescheids

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin seit dem [Datum] arbeitsunfähig erkrankt. Meine Arbeitsunfähigkeit wurde zuletzt bis zum [Datum] ärztlich festgestellt.

Bislang habe ich für den Zeitraum [Zeitraum einsetzen] kein Krankengeld erhalten / mit Schreiben vom [Datum] wurde mir mitgeteilt, dass Krankengeld nicht gezahlt wird.

Bitte teilen Sie mir schriftlich mit,

  • welche Unterlagen aus Ihrer Sicht noch fehlen,

  • für welchen Zeitraum Krankengeld bewilligt oder abgelehnt wird,

  • auf welche Rechtsgrundlage Sie Ihre Entscheidung stützen,

  • welche Frist für einen möglichen Widerspruch gilt.

Bitte bestätigen Sie mir den Eingang dieses Schreibens.

Mit freundlichen Grüßen

[Unterschrift / Name]

Fazit

Krankengeld ist mehr als eine Leistung der Krankenkasse. Für Arbeitnehmer:innen ist es oft der finanzielle Übergang zwischen Lohnfortzahlung, Kündigungsschutz, Arbeitslosengeld und möglicher Rente. Wenn Sie Fristen, AU-Nachweise und Bescheide im Blick behalten, können Sie viele Risiken früh entschärfen.

Häufige Fragen

So hilft Ihnen Chevalier

Chevalier unterstützt Arbeitnehmer:innen, wenn Krankheit und Arbeitsrecht zusammenkommen: bei Kündigung während Krankheit, Problemen mit Entgeltfortzahlung, Aufhebungsverträgen und unklaren Leistungsfolgen.

Unser Ansatz

  • Kostenlose Ersteinschätzung

  • Klare Prüfung Ihrer Unterlagen

  • Digitale, verständliche Fallbearbeitung

Ihre Vorteile

  • Arbeitnehmer:innen-Perspektive

  • Digitale, schnelle Fallaufnahme

  • Erfahrung mit Kündigung, Abfindung und Krankheit

Gerade bei Kündigung oder Aufhebungsvertrag zählt Zeit. Lassen Sie prüfen, was Ihnen zusteht, bevor Fakten geschaffen werden.

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Autor:Coen Van

Bei der Kanzlei Chevalier beschäftige ich mich als Autor mit dem Arbeitsrecht. Im Fokus stehen die Situationen, die im Job wirklich passieren: Abmahnung, Kündigungsschutzklage, Streit ums Zeugnis oder offene Überstunden. Ich erkläre, welche Rechte Betroffene haben, welche Fristen zählen und wie man am besten vorgeht. So will ich Orientierung geben, wenn's im Arbeitsverhältnis kompliziert wird.

In welcher Situation können wir Ihnen helfen?

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Mara Zatti

Ansprechpartnerin für Presseanfragen

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Felix Höfermann

Ansprechpartner für Presseanfragen

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