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Sexistische Algorithmen – Warum Google das Gendern erschwert

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Berlin, 25.11.2021 – Ab sofort gendern auch die Chevalier Rechtsanwälte der Arbeitsrechtskanzlei aus Berlin. Als Legal Tech-Firma, die ihre Dienste insbesondere im Internet vorstellt, stoßen sie dabei jedoch an Grenzen. Wie sie damit umgehen, erklärt die Rechtsanwältin Selvin Sari.

Vor dem Gesetz ist jeder Mensch gleich“, betont Selvin Sari. Doch nicht jeder Mensch wird gleich behandelt. Gerade beim Arbeitsrecht werden Frauen, Transpersonen, intersexuelle und non-binäre Menschen benachteiligt. Aus dem Jahresbericht (2020) der Antidiskriminierungsstelle geht hervor, dass 17 Prozent all derer, die sich Rat bei der Behörde suchten, Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts erfahren haben und 4 Prozent aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Hier geht es nur um die Menschen, die sich explizit an die Behörde gewandt haben. Die Dunkelziffer dürfte aber wesentlich höher liegen. Wie groß das Problem ist, zeigt auch eine Umfrage der Jobbörse Indeed und des Meinungsforschungsinstituts YouGov vom März 2021. Danach hat jede und jeder Fünfte ein Problem damit, mit homo-, bi- oder asexuellen Mitarbeitenden zusammenzuarbeiten.

Um alle Menschen gendergerecht anzusprechen und um einen Beitrag für mehr Sichtbarkeit von diskriminierten Gruppen zu leisten, gendern die Chevalier Rechtsanwälte ab sofort auf allen Kanälen. Für die vielen Bereiche der Außenkommunikation wurden dabei verschiedene Formen des Genderns gewählt. In Bereichen, die für Suchmaschinen nicht relevant sind, wird der Doppelpunkt wie zum Beispiel bei Mandant:in verwendet.

Zwar erkennt die deutsche Rechtschreibung die Schreibweise mit Sonderzeichen nicht an, „die weibliche und männliche Version zu verwenden, schließt aber non-binäre Personen aus“, begründet Expertin für Arbeitsrecht Selvin Sari. Da Suchmaschinen wie Google Sonderzeichen ignorieren oder durch Leerstellen ersetzen, verwendet die Kanzlei bei der Online-Kommunikation in der Regel eine geschlechtsneutrale Form wie Mandantschaft. Wenn das inhaltlich nicht möglich ist, wird die weibliche und männliche Form genutzt.

Die Hoffnung der Kanzlei: Online-Algorithmen, „mit denen auch non-binäre Menschen direkt angesprochen werden“. Denn Suchmaschine spielen das aus, was gesucht wird. Und wenn Nutzer:innen in der Mehrzahl das generische Maskulinum verwenden, ist der Google-Algorithmus auch entsprechend darauf angepasst. Für die Rechtsanwältin ist es nur eine Frage der Zeit bis sich das ändern wird. „Unsere Gesellschaft wird in vielen Bereichen immer offener und toleranter und Algorithmen lernen von unserem Verhalten“.

Im Fall von Google bedeutet dies, dass die Suchmaschine ausspielt, was gesucht wurde. Da Nutzer:innen in der Mehrzahl das generische Maskulinum verwenden, ist der Google-Algorithmus auch entsprechend darauf angepasst.

Und an diesem Punkt beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz. Algorithmen zeigen uns, was die Gesellschaft mehrheitlich sehen will. Das, was die Gesellschaft sehen will, wird aber wiederum durch die Sprache, die wir lesen und hören sowie die Bilder und Videos (etc.), die wir von den Algorithmen zu sehen bekommen, beeinflusst.

Was nicht passt, wird passend gemacht: ein Lösungsansatz

Was haben wir jetzt also getan?

Wir wollen unsere gesamte Mandantschaft ansprechen, aber unsere Sichtbarkeit im Internet auch nicht verlieren.  Wir haben für die verschiedenen Bereiche unserer Außenkommunikation verschiedene Formen des Genderns gewählt. In Bereichen, die nicht suchmaschinenrelevant sind, verwenden wir den Doppelpunkt. Zum Beispiel Mandant:in.

Dort aber, wo Keywords für Suchmaschinen von Belang sind, versuchen wir eine geschlechtsneutrale Form zu verwenden. Zum Beispiel Mandantschaft.

Ist dies einmal nicht möglich, weil ein wichtiges Keyword in der männlichen Form geschrieben ist, verwenden wir die weibliche und die männliche Form. In Zukunft hoffen wir aber auch hier immer auch non-binäre Menschen direkt ansprechen zu können.

Bis es soweit ist, ist dies unsere Lösung.


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