Wann erhält ein Arbeitnehmer eine Sperrfrist beim Arbeitslosengeld?

Wann erhält ein Arbeitnehmer eine Sperrfrist beim Arbeitslosengeld?

Wenn Sie Ihren Job verloren haben, führt der erste Weg oftmals zum Arbeitsamt. Das aber kann Ihnen unter bestimmten Bedingungen das Arbeitslosengeld für 12 Wochen und sogar noch länger sperren. Sie können das verhindern, indem Sie aufpassen und einige Vorgaben beachten. 

Wie lange sperrt Sie das Finanzamt?

Die Behörde kann bis zu 12 Wochen das Arbeitslosengeld aussetzen. Hätten Sie theoretisch Anspruch auf einen Bezug von 12 Monaten, würden Sie in diesem Fall nur noch neun Monate lang Geld bekommen. Das bedeutet, Ihre Sperrfrist verschiebt die Bezugsdauer nicht, sondern verkürzt diese. HierIm Fall der Arbeitsaufgabe beträgt diese Minderung mindestens ein Viertel der gesamten Anspruchsdauer.  Neben der Verkürzung – und das trifft die meisten Arbeitnehmer besonders hart, tritt regelmäßig ein sogenanntes Ruhen ein; d.h. als Arbeitnehmer erhalten Sie die ersten 12 Wochen nach Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Sperrfrist aufgrund von Eigenverschulden oder nach einer Kündigung

Sperren darf Sie das Arbeitsamt aus den verschiedensten Gründen und unterschiedlich lang. Wenn Sie etwa Ihren Job ohne wichtigen oder und vor allen Dingen nachweislichen Grund kündigen, beträgt die Frist meist bis zu 12 Wochen. Unter diesen Umständen, so argumentiert die Behörde, haben Sie Ihre Arbeitslosigkeit selbst verschuldet und können deshalb gesperrt werden.

Dasselbe gilt für eine Kündigung nach einer vorsätzlichen Pflichtverletzung, z.B. weil Sie absichtlich gegen Ihren Arbeitsvertrag verstoßen. In diesem Fall kann es sowohl zu einer ordentlichen als auch einer außerordentlichen Kündigung gekommen sein (Sperrfrist bei Arbeitsaufgabe). Das Arbeitsamt kann auch aufgrund dieser Verletzung der Pflichten eine bis zu 12 Wochen andauernde Sperrfrist verhängen. 

Bei einer betrieblichen oder personenbedingten Kündigung, müssen Sie keine Konsequenzen fürchten. Melden Sie Ihre Suche nach Arbeit nicht unverzüglich an, verhängt die Arbeitsagentur in der Regel eine Sperrfrist, allerdings für meist nur eine Woche.

Gesperrt werden, während der Arbeitslosenzeit

Auch während Sie arbeitslos sind, kann das Arbeitsamt Sie vom Arbeitslosengeld ausschließen. Einer der Gründe dafür ist etwa, wenn Sie es nicht schaffen, die geforderten Eigenbemühungen bei der Suche nach einer Arbeitsstelle nachzuweisen oder Sie sich weigern, an einer beruflichen Wiedereingliederungsmaßnahme teilzunehmen. Dies kann etwa eine Fortbildung oder eine Umschulung auf einen anderen Beruf sein. 

Darüber hinaus kann die Behörde Sie sperren, wenn Sie vermehrt Arbeitsangebote ablehnen oder ihr Zustandekommen verhindern, indem Sie beispielsweise nicht zu Vorstellungsgesprächen erscheinen. Bestrafen darf Sie die Arbeitsagentur außerdem, wenn Sie Meldefristen versäumen oder nicht bei ärztlichen Untersuchungen vorstellig werden. Hier gilt, ebenso wie bei einer verspäteten Meldung, die Faustregel, dass Sie etwa eine Woche gesperrt werden.

Sind Sie in der Zwischenzeit versichert? 

Sollte die Arbeitsagentur Sie gesperrt haben, haben Sie trotzdem Anspruch auf eine Krankenversicherung. Im ersten Monat haben Sie aufgrund Ihrer vorherigen Tätigkeit Anspruch auf den Schutz durch Ihre bisherige Krankenversicherung, danach setzt die Krankenversicherung der Arbeitslosen ein. Ihr Anspruch auf Krankengeld entfällt in dieser Zeit. Da Sie arbeitslos sind, müssen Sie auch keine Rentenbeiträge zahlen. 

Ist an der Sperrfrist etwas auszusetzen?

Grundsätzlich gilt, dass jede Entscheidung, jemanden zu sperren, eine absolute Einzelfallentscheidung ist. Das Urteil der Arbeitsagentur kann falsch sein. Sie sollten also in jedem Fall versuchen, gegen die Sperrfrist vorzugehen, ob nun nach einer Kündigung oder aufgrund eines anderen Sachverhalts.

Wie Sie am besten eine Sperrfrist vermeiden

Unterschreiben Sie bei einer Kündigung zunächst einmal keinen Abwicklungsvertrag, ohne vorher mit einem Anwalt gesprochen zu haben. Gerade, wenn Sie eine hohe Abfindung erhalten sollen, wird in aller Regel eine Sperrfrist verhängt.  

Das wohl beste Argument gegen eine Sperrfrist ist die Aussicht auf eine neue Arbeitsstelle. Können Sie nachweisen, dass Sie gekündigt haben, weil Sie eine neue Stelle antreten wollten, wird in der Regel keine Sperrfrist verhängt - auch, wenn der Jobwechsel dann aus bestimmten Gründen nicht geklappt haben sollte. Die Arbeitsagentur erkennt es zudem an, wenn Sie kündigen, weil Sie in einen gemeinsamen Haushalt mit ihrem Lebenspartner ziehen oder aber sich um die Kinder zu Hause kümmern wollen. 

In zwei weiteren Fällen kann eine Sperrfrist entfallen. Können Sie nachweisen, dass Sie die Arbeit überfordert hat und Sie an den Rand der Erschöpfung gebracht hat, kann eine Kündigung gerechtfertigt sein. Dasselbe gilt, wenn Sie beweisen können, dass Sie das Recht gehabt hätten, den Vertrag mit dem Arbeitgeber fristlos zu kündigen. Hat Ihr Arbeitgeber Sie vermehrt unregelmäßig bezahlt, kann dass ein Grund sein, zu kündigen, ohne eine Sperrfrist fürchten zu müssen. 

Wenn Sie eine Kündigung oder einen Aufhebungsvertrag erhalten haben und sich unsicher sind, ob Sie womöglich von der Arbeitsagentur gesperrt werden könnten, können Sie die kostenlose Ersteinschätzung von Chevalier in Anspruch nehmen.

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